Berufsorientierung heute: Grundlagen zum Thema

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist es, Jugendliche dabei zu unterstützen, den richtigen Beruf für die Ausbildung oder das Studium zu finden. Jugendliche schreiben sehr viele Bewerbungen z.T. auch für Berufe, die sie nicht kennen, nur weil sie erfahren haben, dass es dort noch freie Ausbildungsplätze gibt.
 
So verwundert es nicht, dass es zu etwa 25% Abbrüchen kommt.
 
Gesamtwirtschaftlich gesehen ist dies eine Katastrophe. Für die Jugendlichen selbst und für die betroffenen Betriebe / Universitäten und Fachhochschulen ist eine enorme Mehrbelastung, abgesehen von den zwischenmenschlichen Enttäuschungen und den finanziellen sowie den organisatorischen Problemen.
 
Bei der Suche nach den Ursachen für die Abbrüche taucht immer wieder der Aspekt auf, dass sich rund 90% der Jugendlichen über die tatsächlichen Anforderungen in den Berufen nicht bewusst sind und dass ihnen zudem der größte Teil der möglichen Ausbildungs- und Studienberufe nicht bekannt ist.
 
Aber auch in den typischerweise von der Mehrzahl der Jugendlichen gewählten Berufen wie Bürokaufmann/-frau oder Mechatroniker/in ist ihnen der Umfang und der Inhalt der Berufe nicht wirklich bewusst oder bekannt.
 
Dies zeigen die Erfahrungen des Technikzentrums Minden – Lübbecke und von OWL - Maschinenbaus mit rund 56.000 Jugendlichen in den letzten 18 Monaten.
 
Dabei mangelt es den Jugendlichen nicht an Informationen.
 
Wie die Repräsentativbefragung zur Selbstwahrnehmung der Jugend in Deutschland der Bertelsmannstiftung im Juni 2005 ergab, gibt es genug Informationen zur Berufswahl, „es ist aber schwierig, sich da zurecht zu finden (S.9)."
 
Dies belegen auch Erfahrungen aus anderen Bereichen, denn die Jugendlichen werden geradezu überschwemmt mit einer Vielzahl an Broschüren, Büchern, Hinweisen, allgemeinen Beratungen, Firmeninformationsschriften und digitalen Medien. Das grundlegende Problem besteht eher darin, dass sich die Jugendlichen über ihre Fähigkeiten, Kompetenzen, Talente, Potentiale, Interessen und Begabungen nicht vollständig im Klaren sind. Daher greifen die vielen Informationen nicht, sondern gehen oftmals ins Leere.
 
Andererseits werden zumindest die großen Unternehmen mit einer Unmenge an "pauschalen" Bewerbungen sozusagen belästigt. Sie müssen aus dieser Flut an fast identisch formulierten Bewerbungen "den oder die passende" Jugendliche herausfiltern und dann das weitere Procedere mit diesen herausgefilterten Personen absolvieren, um schließlich einige vermeintlich geeignete künftige Auszubildende zu erhalten.
 
 
Pragmatiker/innen und Innovator/innen aus Unternehmen, Beratungseinrichtungen, Verbänden, Institutionen, Kammern, Arbeitsagenturen etc. haben verschiedene Ansätze getestet und sind der Meinung, dass eines der wesentlichsten Probleme das "Matchingproblem" ist, also das Zusammenkommen von Jugendlichen und Unternehmen. Dieses Zusammenkommen sollte mit einfachen Mitteln geschehen, kostengünstig und dennoch erfolgreich sein.
 
Einige dieser verschiedenen Ansätze werden durch die Schul - und Berufsparcours umgesetzt. Weitere Aktionen wie Bewerbungsparcours, Berufstraining oder das Talentarium OWL sind in Vorbereitung.

 

Stand: Sonntag, 5. September 2010